Auf dem Weg in den Polizeistaat

Hatte schon früher mal was auf dem Blog geschrieben, von wegen dass wir zu viel Überwachung haben und ich mich frage, wer eigentlich die Überwacher überwacht.

Neues Highlight sind die Vorschläge von unserem Innenminister Seehofer, siehe hier. Da fällt einem echt nichts mehr zu ein. Zumindest nichts, was druckreif wäre.

Menschen und ihre Anreize

Falls mal jemand was interessantes Lesen möchte: Sucht mal nach den „Freakonomics“ Büchern. Von den Autoren gibt es vier Bände mittlerweile, nur etwas schwer zu kriegen und es geht im Endeffekt um die Frage „Warum machen Menschen das, was sie machen und wie kann man sie motivieren, etwas zu tun oder eben nicht zu tun?“.

In dem Zusammenhang: bin neulich über einen Artikel gestolpert: „Zehn Jahre Finanzkrise – Nichts dazugelernt„. Betrachten wir die Sache doch mal aus der Sicht der Verhaltensforschung: Was haben die Bankster aus der Bankenkrise gelernt?

Versetzen wir uns also mal in die Lage eines Bankmanagers. Er weiss genau, wenn er defensiv agiert, winken keine allzu großen Gewinne und er kriegt somit auch keinen Bonus.

Agiert er jedoch aggressiv und risikofreudig, gibt es zwei Varianten – entweder alles geht gut, dann kriegt er einen fetten Bonus. Oder es geht nicht gut, dann werden die ach so systemrelevanten Banken heroisch von der Allgemeinheit gerettet und ironischerweise bekommt er trotzdem einen fetten Bonus.

Also stellt sich die Sache für den Manager einfach dar: auf Nummer sicher für die Bank gehen und keinen Bonus kriegen oder aber auf Risiko gehen und ganz egal wie es ausgeht, einen fetten Bonus einstreichen.

Tja, nun dürfen wir alle drei Mal raten, was genau die Bankster als Erkenntnis aus der Bankkrise gelernt haben. Denn sie haben etwas daraus gelernt, nur nicht das, von dem die Leute gehofft haben, dass sie es daraus lernen würden…

Samsung mal wieder

Letztes Jahr ist mein Samsung S6 Handy verstorben. Hatte mich da schon immer über diverse Software-Beigaben aufgeregt, die keiner haben will, man aber auch nicht deaktivieren kann.

Nun musste ich mich die Tage wieder über den Samsung TV aufregen. Und zwar ist da so eine „tolle“ App namens „Smart TV+“ drauf.

Und selbige App quasselt vollkommen unmotiviert beim Einschalten des Fernsehers drauf los. Nicht, dass wir sie aktiviert oder gar darum gebeten hätten.

Bei einem normalen Hersteller würde man diese App einfach deaktivieren. Samsung jedoch weiss wieder mal, was gut für seine Kunden ist und was diese wirklich brauchen – und es ist nicht dass, von dem die Kunden denken, dass sie es brauchen würden.

Immerhin stehe ich mit dem Problem nicht allein da. Es gibt einen aktuell 58 Seiten langen Thread (Update 2019-04-20: mittlerweile sind es 97 Seiten. Der Thread wurde als gelöst markiert mit dem Fazit, dass vielleicht irgendwann einmal ein Update kommt, womit man diesen Rotz deaktivieren kann. Oder auch nicht.) im Forum dazu. Da die Anleitung, wie man in das (ausgesprochen böse) Service Menu kommt, in dem Forum immer gelöscht wird, hat die Webseite allaboutsamsung freundlicherweise eine Anleitung dazu geschrieben. Okay, bei meinem Fernseher klappt es leider nicht mit dem Menu, weil meine Exoten-Version irgend eine andere bescheuerte Tastenkombination braucht.

Naja, zumindest weiss ich, von welchem Hersteller ich mir auf keinen Fall jemals wieder ein Gerät kaufen werde, auf welchem sich Apps befinden könnten. Zumindest noch sind die SSDs von Samsung ja okay 🙂

Das wird kein gutes Ende nehmen…

Heute morgen war ich mit meiner Verlobten einkaufen. Vor uns standen an der Kasse beim Aldi sieben junge Mädchen, die gemeinsam alle angetreten waren, um eine (!) Packung Kakaomilchpulver zu holen.

Und die stehen dann da in langer Reihe breitärschig an der Kasse und blockieren das komplette Kassenband. Bewegen sich auch keinen Millimeter nach vorne, weil von den sieben Hühnern exakt sieben vollkommen damit beschäftigt waren, auf ihre verfickten Handys zu glotzen.

Smombies at it’s best! Und die sollen mal unsere Rente zahlen… herrlich!

Dann noch lecker Essen gegangen beim Griechen. Schon ein paar Strassen vorher hörten wir hektisches Geklingel einer Strassenbahn. Der Fahrer ebendieser war stinksauer und hatte auch allen Grund dazu, denn ein Wagen war in zweiter Reihe abgestellt worden und blockierte damit die Schienen der Strassenbahn.

Nach knapp 10 Minuten kam dann eine junge Frau aus 200 Metern entfernung angehetzt, um ihre Karre dann auch endlich aus dem Weg zu räumen. Zugegeben, mit Parken sieht es in der Gegend nicht besonders gut aus, aber muss ich deswegen meine Karre einfach so in die Gegend rotzen nach dem Grundsatz „Nach mir die Sintflut“? Hat mir mein Fahrlehrer anders beigebracht.

DSGVO

Falls einer fragt:

  1. die Seite hier ist rein privat, dient keiner Gewinnerzielungsabsicht und ist daher nicht von der DSGVO betroffen
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  3. Die Cookie-Warnung habe ich trotzdem eingebaut, falls WordPress automatisch ein Cookie setzt, für das ich aber nix kann
  4. nur Bekloppte.

 

Lesen bildet

Manchmal ist es schon erstaunlich, welchen Erkenntnisgewinn das Lesen von Büchern so bringen kann.

Man lernt auch einige interessante Ausdrücke und Formulierungen…

Status-Quo-Bias
Die Vorliebe, Dinge so zu lassen wie sie sind

„Premortem“
statt einer Post-Mortem-Analyse (der Patient ist bereits tot) wird vorher überlegt: okay, es ging schief.. woran könnte es gelegen haben. Anschliessend wird versucht, das Eintreten eben dieser Fehler zu verhindern

„Kontrafaktisch“
Überlegungen, die eine nicht eingetretene Situation betreffen. „Wenn ich als Frau geboren worden wäre“ – tja, bin ich aber nicht und wir werden nie herauskriegen können was genau dann geschehen wäre

„Wahr aber nutzlos“
Eine genaue Analyse über die Probleme beispielsweise in Entwicklungsländern ist zwar keine schlechte Idee, hilft aber meistens nicht weiter. Interessanter sind da konkrete Dinge, die man „mal eben“ tun kann.

„Erklärte/offenbarte Präferenz“
Das ist das, von dem die Leute selbst behaupten, dass es ihnen wichtig sei bzw. woran sie glauben.

„Beobachtete Präferenz“
Das ist das, was den Leute wirklich wichtig ist bzw. was sie glauben. Häufig gibt es starke Abweichungen zu den offenbarten Präferenzen.

Entscheidungsparalyse
Wenn man den Leuten zu viele Optionen bietet, neigen sie dazu, gar nichts zu wählen.

negative externe Effeke
Kosten, die man verursacht, aber nicht selbst trägt.

Kosten internalisieren
Die negativen externen Effekte wieder zum Erzeuger geben. Beispielsweise CO2 Steuer

Wer mal ein wenig anregendes Material braucht, dem empfehle ich folgende Bücher:

„Das Black Box Prinzip“ von Matthew Syed:

Der Autor vergleich die Fliegerei mit der Medizin, was den Umgang mit Fehlern angeht. Während bei der Flugindustrie jeder Fehler untersucht wird, damit sich der Fehler nicht wiederholt, wird bei den Halbgöttern in Weiß ein Fehler lieber unter den Teppich gekehrt, was dann dazu führt, dass die gleichen Fehler noch mal gemacht werden.

Es ist für den Fortschritt unerlässlich, Sachen auszuprobieren, dabei Fehler zu machen, aus ihnen zu lernen und Verbesserungen vorzunehmen. Oft sind die richtig klingenden Ideen nutzneutral, während ein nicht so logisch klingender Weg super funktioniert.

Nicht zuletzt ist es wichtig, seine eigenen Annahmen auf die Probe zu stellen und zu uberprüfen, ob es wirklich so ist, wie es aussieht. Wer die Wirksamkeit einer Massnahme prüfen will, kommt nicht um eine Kontrollgruppe herum, damit man einen Vergleich anstellen kann.

Freakononmics-Bücher von Stephen D. Levitt und Steven J. Dubner

Menschen verhalten sich alles andere als rational. Es geht um die generelle Frage, wie man die Leute dazu bringt, etwas zu tun oder eben nicht zu tun. Was treibt die Menschen an? In einem Wort: es geht um Anreize.

Erstaunlich ist, wie oft ein eigentlich genial klingender Plan, der theoretisch idiotensicher sein dürfte, dann total nach hinten losgeht und nicht nur nicht funktioniert, sondern die Sache sogar noch schlimmer macht.

Die Schock-Strategie von Naomi Klein

Die meisten Leute glauben ja den Blödsinn, der uns so erzählt wird von wegen „Juhu, alle Macht den Firmen! Freien Markt für alle! Der Staat muss schlanker werden und sich vor allem raushalten! Oh, die Banken haben so richtig Scheisse gebaut? Äh, Staat? Nu aber mal hier! Eingreifen, 500 Milliarden Euro den Bürgern aus der Tasche ziehen und uns geben, aber flott!“

Naomi Klein räumt auf mit dem Vorurteil, dass der freie Markt schon alles regeln wird. In dem Buch wird ziemlich schonungslos gezeigt, was für Auswirkungen der ach so freie Markt hat, wenn man nicht eingreift und wie schlimm es werden kann, wenn man den neoliberalen Theoretikern freie Hand lässt.

„Stresstest Deutschland“ von Jens Berger:

Wir leben in einer Demokratie. Steht zumindest dran. Hat nur nicht mehr viel mit Demokratie zu tun. Der Autor bestätigt einem das, was auch schon der gesunde Menschenverstand sagt: eine schwäbische Hausfrau ist nicht das gleiche wie eine Volkswirtschaft, Deregulierung der Märkte hilft nur den Firmenbesitzern, die Privatisierung des öffentlichen Sektors ist eine echte Scheissidee etc.

Lustig ist, dass diese Tatsachen in der normalen Presse gerne unter den Teppich gekehrt werden. Stattdessen singt man lieber das Hohelied der Neoliberalisierung.

Lügen mit Zahlen: Wie wir mit Statistiken manipuliert werden von Gerd Bosbach

Wir begegnen tagtäglich in den Nachrichten und Zeitschriften mit Statistiken und Diagrammen. Hier geht es um das korrekte Verständnis von Statistik und Diagrammen – immer wieder stellt man fest, dass diese Daten in böser Absicht (manchmal auch durch Unfähigkeit) manipuliert werden.

Wir lernen hier, manipulierte Grafiken zu erkennen und vor allem die größeren Zusammenhänge zu beachten. Ein kleines Beispiel: „Dieses Jahr werden 5000 Lehrer neu eingestellt!“. Oh, das ist schön. Gegenfrage: Wie viele Lehrer gehen denn in diesem Jahr in Rente? Upps.

(Auf das Buch musste ich früher oder später ja aufmerksam werden, unter anderem deswegen weil der Autor uns bei der Rheinischen Akademie Köln damals das Programmieren in Pascal beigebracht hat.)

Switch: Veränderungen wagen und dadurch gewinnen! von Chip und Dan Heath

Hier geht es um die Frage, wie man Veränderungen umsetzen kann, sowohl im geschäftlichen Bereich als auch privat. Das Grundkonzept ist, dass der Menschliche Verstand (das Bewusstsein) wie ein Elefantenreiter ist. Das kurzfristig denkende Belohnungssystem (der innere Schweinehund) ist in diesem Sinnbild der Elefant. Der Reiter kann den Elefanten nicht auf Dauer zu etwas zwingen, also muss man Reiter + Elefant motivieren, in die gleiche Richtung zu laufen.

Untermauert wird dieses Konzept durch viele Beispiele von Menschen, die auch ohne eine Machtposition inne zu haben trotzdem sehr viel verändern konnten.

Der Drache in meiner Garage. Oder die Kunst der Wissenschaft, Unsinn zu entlarven von Carl Sagan

Hier haben wir eine Liebeserklärung an die Wissenschaft. Der Autor (vergleichbar hierzulande mit Harald Lesch) erklärt uns, wie die wissenschaftliche Forschung funktioniert. Nämlich indem man seine Hypothesen aufstellt und dann zur Diskussion stellt, wobei dann alle versuchen, diese Theorie zu widerlegen.

Je unglaublicher eine Behauptung ist, desto stärker müssen die Beweise dafür sein. Von daher ist dieses Buch eine Anleitung, wie man gegen Aberglauben vorgeht – sei es Missbrauch durch Ausserirdische, Astrologie oder auch nur komische Statistiken einer Regierung.