Lesen bildet

Manchmal ist es schon erstaunlich, welchen Erkenntnisgewinn das Lesen von Büchern so bringen kann. Wer mal ein wenig anregendes Material braucht, dem empfehle ich:

Nehmen wir doch mal einen Punkt, der uns alle betrifft: die allgemeine Lage der Wirtschaft, die Arbeitslosenzahlen und das Gehalt, was denen gezahlt wird, die (noch) eine Anstellung haben.

Da hört man beispielsweise von unseren Politclowns in jeder beliebigen Nachrichtensendung, dass Deutschland ein Export-Land und wie wichtig demnach der Export für unsere Wirtschaft sei. Und daher sei es ja auch alternativlos, dass die Löhne „konkurrenzfähig“ blieben.

Stellen wir dem doch mal ein paar Fakten entgegen. Das Statistische Bundesamt schreibt zu dem Thema des Exports beispielsweise folgendes:

Die deutsche Wirtschaft ist in hohem Maße exportorientiert und damit auch exportabhängig. Annähernd jeder vierte Arbeitsplatz hängt heute vom Export ab.

Interessant. Denkt man nun über diesen Satz nach, fällt einem schlagartig auf (sollte es zumindest), daß demnach gut 75% eben nicht vom Export abhängen, sondern vom Binnenmarkt.

Stellt sich der interessierte Laie doch also die Frage: wenn doch mehr als drei Viertel der Beschäftigten darin arbeiten, sollten wir nicht viel lieber dafür sorgen, dass unser Binnenmarkt floriert?

Die reale Lohnentwicklung in Europa von den Jahren 2000 bis 2008 kann man einer Studie des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts entnehmen: In diesen Jahren ging das reale Nettoeinkommen in Deutschland um 0.8% runter, während es in Großbritannien um 26,1% stieg.

Falls jetzt wieder irgend ein Klugscheisser ankommt und uns erzählen will „jaja, aber ab 2009 da gingen die Löhne doch sowas von ab“ – nö, leider auch nicht allzuviel besser.

Kleines Update: die Sendung der Anstalt vom 16.05.2017 greift sehr schön dieses Thema auf. Hier der Faktencheck dazu.

Sicherlich macht es keinen Sinn, eine Lohnsteigerung in diesen 8 Jahren wie in Rumänen von 331,7% zu fordern. Hätte man allerdings die Gehälter so ansteigen lassen wie in Großbritannien, nämlich um 26,1% anstatt sie um 0,8% sinken zu lassen, dann hätten heute die Bundesbürger jeden Monat mal eben 26,9% mehr Geld zum Ausgeben in der Tasche. Und da die Leute eher weniger dazu neigen, wie Dagobert Duck ein Geldbad zu nehmen, würde ein großer Teil des Geldes umgehend wieder ausgegeben werden, was dann die Wirtschaft ordentlich brummen liesse.

Leider hat man bei uns jedoch stattdessen lieber einen Niedriglohnsektor durchgedrückt (zur Erinnerung: das hat weder die Wirtschaftshörige FDP verbrochen noch die wirtschaftsnahe CDU, sondern die Arbeitnehmerpartei SPD), der dazu geführt hat, dass die Leute weniger Geld bekommen und die Arbeitnehmer fast durch die Bank davor Angst haben, irgendwann nicht mehr arbeiten zu dürfen.

Hierzu auch ein interessanter Artikel der Deutschen Wirtschaftsnachrichten.

Die einzig logische Folgerung:

  1. Abschaffung von Hartz IV und den entsprechenden Regelungen
  2. Anheben des Mindestlohnes auf mindestens 10 Euro
  3. Anheben aller Löhne um mindestens 15%, wir können ja im öffentlichen Dienst schon mal mit gutem Beispiel vorangehen
  4. alle Politiker, die was von „schwäbischen Hausfrauen“ faseln, sofort ihres Amtes entheben und davonjagen. Wer nicht begreift, dass ein Staatshaushalt ein klitzekleines bißchen anders funktioniert als ein Privathaushalt, hat im Bundestag nichts verloren
  5. Umsetzung der Grundidee von Keynes  , nämlich in Zeiten der Krise den Staat nicht sparen zu lassen, sondern stattdessen die Wirtschaft anzukurbeln.
  6. Rücknahme der Senkung des Rentenniveaus. Wurde eh nur gemacht, um der armen notleidenden Versicherungswirtschaft zu helfen.

Wahrscheinlich liegt es daran, dass ich BWL noch nie leiden konnte und daher auch kein BWL studiert habe, dass ich auf so abstruse Ideen komme. Schliesslich könnte man ja auch der Trickle-Down-Theorie anhängen, wie es so viele BWL-Schnösel noch tun. Die übrigens absolut für den Eimer ist, aber gewisse Parteien und Leute wollen es ja einfach nicht lernen…

Vereinfacht ausgedrückt, besagt die Trickle-Down-Theorie folgendes: wenn man den oberen Zehntausend („Die Reichen“) einfach nur genug Zucker in den Arsch bläst, dann haben die irgendwann so viel, dass sie es ausgeben müssen und dann fällt auch was für alle darunter ab. Eine sehr schöne Veranschaulichung inklusive einer Gegenüberstellung von Theorie und Praxis findet sich hier.

Update vom 30.04.2016

Ein weiterer Vorteil meiner Ideen wäre, daß die Rente für die Bevölkerung steigen würde. Wenn jemand heutzutage 2000 Euro Brutto verdient, kann er sich auf jeden Fall auf die Altersarmut freuen. Laut der Sendung „Maybrit Illner“ vom 28.04.2016 kommt der Durchschnittsverdiener mit 2900 Brutto und einer durchschnittlichen Lebensarbeitszeit von 37 Jahren auf sagenhafte 880 Euro Rente, was unter der Armutsgrenze liegt.

Gute Arbeit, Freunde der Nacht.